die "erste" Heilandskirche 1913 bis 1944
Durschreitet man diese Tür, befindet man sich unter der Orgelempore. Nach ein Paar weiteren Schritten öffnet sich der Kirchenraum als achteckiges Querschiff, das durch säulengetragene Emporen zur rechten und linken Seite den Raum in Hauptschiff und Seitenschiffe teilt. "Im Innern der für 850 Sitzplätze berechneten Kirche ist alles auf einen Grundton gestimmt (...). Gegen das matte Weiß der Wände steht das Gestühl mit einer grau-grünlichen Beizung, die auch alles übrige Holzwerk, darunter die Kanzel, Türen usw. trägt. Vom Eingang aus wird der Blick sofort auf die Apsis gelenkt, in der sich hinter dem schlichten Sandsteinaltar und vor der in Grün und Gold gemusterten Rückwand die dunkle Figur des Heilandes erhebt. Diese Bronze zeigt den kreuztragenden Christus auf dem Wege nach Golgatha, wie er die Rechte segnend der Gemeinde zu hebt. Das Kunstwerk, dessen Original sich in Marmor in Warschau befindet, stammt von dem russischen Bildhauer A. Bruszynski; der Guss wurde in musterhafter Weise durch die Württ. Metallwarenfabrik in Geislingen besorgt. Für die Herzogin Wera knüpften sich an das Bildwerk liebe Jugenderinnerungen; hatte doch die Figur in ihrer in Warschau verlebten frühesten Kindheit einen tiefen Eindruck auf sie gemacht. Die wenigen, aber geschmackvollen Bildhauerarbeiten im Innern - Altar, Taufstein und die Kapitäle der die Seitenschiffe abteilenden Säulen - stammen von Jakob Brüllmann. (...) Die künstlerische Ausmalung der zum Teil kassettierten Decke schuf Kunstmaler Eduard Pfennig. Sie zeigt in der Mitte einen großzügig aufgefaßten, streng stilisierten Christus, den in den Ecken die Symbole der vier Evangelisten umgeben. Die einfach gehaltenen Beleuchtungskörper, die von Stotz u. Schlee stammen, hängen verteilt von der Decke herab. Die elektr. Beleuchtungsanlage selbst führte die Firma Max Wild u. Co. aus. Kunstmaler Ed. Pfennig besorgte auch den ornamentalen, zurückhaltenden Schmuck der Kanzel, während die übrigen Malerarbeiten dem Dekorationsmalergeschäft Karl Jeremias u. Sohn übertragen waren. (...) Die Orgel mit 30 Registern wurde nach den Angaben des Orgelsachverständigen Mus.Dir. Koch von E. F. Walcker u. Co. in Ludwigsburg gebaut; der Name der Firma bürgt für ein gutes Instrument, das mit allen modernen Hilfsmitteln der Orgelbautechnik ausgestattet wurde, so dass es auch höheren Anforderungen durchaus entspricht und sich für Kirchenkonzerte usw. hervorragend eignet. (...) Die Heizungsanlage lieferte E. Möhrlin, G.m.b.H. An den Arbeiten haben sich noch beteiligt u. a. das Baugeschäft Julius Hofacker, die Möbelschreinerei Gottl. Kirschmann, von der das Gestühl herrührt, das seine ansprechende Beizung durch die Ehem. Möbelbeizerei von Emil Häckel erhielt." (3)
Links neben der Kanzel führt eine Tür in die Sakristei. Hinter der Chorapsis ist der von zwei achteckigen Nebenräumen flankierte Gemeindesaal angebaut, der über einen Seitengang links hinter der Kirche von außen zu erreichen ist. Er "ist auf die gleichen Farben abgestimmt wie die Kirche. Er erhält seinen Hauptschmuck in einem an der Seite nach der Kirche zu über dem niederen Podium hängenden Oelgemälde, von Kunstmaler Baurle gemalt, das den segnenden Christus darstellt." (4)
3,4 Abendblatt des Schwäbischen Merkurs vom 29.11.1913