Die Architektur
die "erste" Heilandskirche 1913 bis 1944

Am 2. Dezember 1913 findet die Einweihung der Heilandskirche an der Sickstraße im Stuttgarter Osten statt. Sie ist eine Stiftung der Herzogin Wera von Württemberg und wurde nach Entwürfen der Architektenfirma Eisenlohr und Pfennig erbaut, "die im baukünstlerischen Teil ihrer Aufgabe einen wertvollen Mitarbeiter in Architekt Abel fand. Die besondere Bauleitung hatte Bauführer Emil Mehrer." (1)

"Einfach und würdig in den Linien, dabei nicht kalt, sondern anheimelnd und sinnig schmiegt sich die in romanischen Formen gehaltene Anlage in ihre Umgebung ein. Das Bild muss noch reizvoller wirken, wenn auf dem hinter dem Gotteshaus sanft ansteigenden Hügel der Villa Berg die Bäume belaubt sind (...). Kirche und Gemeindesaal sind in zweckentsprechender, klarer und übersichtlicher Gliederung miteinander verbunden, und gerade diese Verbindung betont in verstärktem Maße den Eindruck eines geschlossenen Ganzen, in dem der Mittelpunkt für das religiöse Leben eines ganzen Stadtviertels zum Ausdruck kommt." (2) Ein ziegelbedachter Vorbau trägt einen quadratischen Sockel mit einem steinernen Relief, das ein Kreuz mit knienden Engeln zu beiden Seiten zeigt. Über dem Sockel erhebt sich ein mächtiger Rundturm, dessen Spitze in einem Kegeldach endet. In sein oberes Drittel sind 16 schmale Fenster mit Rundbögen eingelassen, hinter denen sich das aus drei Gocken bestehende Geläut befindet, das von der Stuttgarter Glockengießerei Heinrich Kurtz hergestellt und eingebaut wurde. Von allen Richtungen kann auf vier vergoldeten Turmuhren der Ulmer Firma Hörz die Zeit abgelesen werden.

Betritt der Besucher die Vorhalle durch das hohe Portal, über dem sich drei sich nach innen verjüngende, mit Reliefs besetzte Rundbögen wölben, steht er in der Mitte eines kleinen Säulengangens, dem sogenannten Paradies. Er blickt zugleich auf das metallbeschlagene und mit quadratischen Gläsern durchsetzte Innenportal, über dem der Leitspruch der Kirche in den Stein gemeißelt ist: "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken".

1,2 Abendblatt des Schwäbischen Merkurs vom 29.11.1913
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